Mondial

Videoprojektionen

An den Wänden des Mondial sahen die Besucher Videoprojektionen der Künstlerin Marianne Müller. Mit jeweils zwei versetzten Kameras, deren Aufnahmen leicht zeitversetzt nebeneinander projiziert wurden, beobachtete sie Szenen jenseits des Sensationellen und Pittoresken, die gerade in ihrer fremden Alltäglichkeit zum Denken verwirren: Strassenbilder, Marktgetümmel, Fahrten durch halbfertige Wüstenvorstädte und Berglandschaften, das Vorbeiziehen der Schiffe in einem Hafen, Allerseelen auf einem mexikanischen Friedhof. Langsame Bilder, die zum bedächtigen und genauen Sehen aufforderteten. Kein Ethnospektakel, keine pseudo-kritische Bedeutungshuberei, keine Ferienrosinen. Bilder, wie man sie auf Reisen selber beobachtet, aus dem Fenster eines Autos, beim Warten an einem Imbisstand, beim ziellosen Flanieren in fremder Stadt. Müller zeigte die Wirklichkeit als Zeitgefüge von Bewegung und Gebäude, Licht und Landschaft, Körper und Kleid, Morgenruhe und Mittagsgedränge, Zufall und Gewohnheit. Ganz einfach die unaufdringliche Wahrheit des Wirklichen.

Fotos: © Michael Studt